Porphyria erythropoetica congenita Günther

Abstract
Es werden zwei Fälle von kongenitaler erythropoetischer Porphyrie (Morbus Günther) bei einem 22jährigen Mann und einem fünfjährigen Jungen geschildert. Die Besonderheit der Fälle liegt darin, daß eine hämolytische Anämie nicht bestand, wohl aber ein leicht gesteigerter Blutumsatz. Im Sternalpunktat fanden sich massenhaft fluoreszierende Porphyroblasten und Porphyrozyten. Die ersten elektronenoptischen Befunde werden mitgeteilt. Im ersten Fall war die Lebensdauer der Erythrozyten auf etwa ein Drittel verkürzt. Die Lebensdauerkurve nach 51Cr zeigte in den ersten fünf Tagen einen steilen Abfall, später verlief sie fast normal. Nach Splenektomie wurde die Lebensdauer normalisiert. In beiden Fällen wurde der Porphyrinstoffwechsel untersucht. Es fand sich eine starke Vermehrung des Erythrozyten-Uroporphyrins. Auch das Erythrozyten-Coproporphyrin und das Erythrozyten-Protoporphyrin waren vermehrt, jedoch geringer. Das gefundene Uro- und Coproporphyrin in den Erythrozyten gehörte fast ausschließlich dem Isomerentyp I an. Mit dem Blute des ersten Patienten wurde ein Inkubationsversuch unter Zusatz von δ-Aminolävulinsäure vorgenommen. Dabei ergab sich eine außerordentlich hohe Porphyrinsynthese, die weit höher war als normal. 90% der zugesetzten δ-Aminolävulinsäure wurden in höhere Syntheseprodukte umgesetzt. Vor allem war auch die Bildung von Protoporphyrin gegenüber der Norm erheblich gesteigert. Das gebildete Protoporphyrin erwies sich als normales Protoporphyrin IX. Eine Berechnung der gebildeten Mengen von Porphyrinen des Isomerentyps III und des Isomerentyps I ergab, daß bei dem Inkubationsversuch zwei Drittel vom Typ I und ein Drittel vom Typ III gebildet wurden. Diese Befunde passen schlecht zur Theorie eines alleinigen Isomerasemangels. Sie erklärt nicht die enorme Synthesesteigerung. Als Ursache der Störung ist vielleicht ein gleichzeitiger Mangel an einem Repressor oder ein positiver feedback-Mechanismus anzunehmen. Außer den beiden Patienten wurden auch die Familienmitglieder hinsichtlich der Erythrozytenporphyrine und der Harnporphyrine untersucht. Dabei fand sich, daß in beiden Fällen die beiden Eltern eine abnorme Vermehrung von Urobeziehungsweise Coproporphyrin aufwiesen. Auch einige Geschwister der beiden Fälle zeigten diese Störung, ebenso zwei Großmütter der Familie des zweiten Falles. Im Harn dagegen war keine Störung nachweisbar. Aus den Befunden ergibt sich, daß die pathologische Vermehrung von Uro- bzw. Coproporphyrin, wobei auch ein kleiner Anteil des Isomerentyps I gefunden wurde, ein Merkmal der heterozygoten Merkmalsträger ist. Das klinische Krankheitsbild entsteht nur bei Homozygotie. Das Verhalten spricht für einen rezessiven Erbgang: Mit den genannten Methoden wurden zum ersten Mal die heterozygoten Merkmalsträger erfaßt. Congenital erythropoietic porphyria in a 22-year old man and a five-year old boy is described. The unusual feature of both cases was that there was no haemolytic anaemia but a slightly increased erythrocyte turnover rate. There were numerous fluorescent porphyroblasts and porphyrocytes in the sternal marrow. The electronoptical appearance of this is illustrated. In the first case the survival time of RBC was decreased to about onethird of normal. The survival-time curve after injection of chromium-labelled RBC showed a steep decline in the first five days but then followed a normal course. After splenectomy, survival time returned to normal.—In both cases porphyrin metabolism was investigated. There was a marked increase in the erythrocytic uroporphyrins. Erythrocytic coproporphyrin and protoporphyrin were also increased but to a lesser extent. Almost all of the uroporphyrin and coproporphyrin in the erythrocytes belonged to the isomere type I. Incubation studies with the addition of δ-aminolaevulinic acid added to blood of the first patient showed a very high porphyrin synthesis: 90% of the added aminolaevulinic acid was metabolized into higher products of synthesis. In addition, the formation of protoporphyrin was markedly increased above normal values (the protoporphyrin was normal protoporphyrin IX). In the incubation studies two-thirds of the porphyrins were of type I, a third of type III.—These findings do not support the theory of isomerase deficiency, which also fails to explain the enormous increase in porphyrin synthesis.—Various members of the families of the two patients were also studied with respect to erythrocytic and urinary porphyrins. The parents of both patients had an abnormal increase of uroporphyrin and coproporphyrin. Some of the brothers and sisters of the two patients had the same disorder, as did both grandmothers of the second patients; but there were no abnormal findings in the urine. These results demonstrate that the abnormal increase of uroporphyrin or coproporphyrin, in the presence of a decreased proportion of isomere type I, is characteristic of the heterozygous carrier. The clinical picture only occurs in the homozygote. This speaks for recessive inheritance. The described methods have made it possible for the first time to detect the heterozygous carrier. Porfirismo eritropoyético congénito de Günther Se describen dos casos de porfirismo eritropoyético congénito (Morbus Günther) en un hombre de 22 años y un niño de cinco años. La peculiaridad de los casos consiste en que no existía una anemia hemolitica, pero sí un metabolismo sanguíneo ligeramente aumentado. En el líquido esternal extraido por punción se hallaron de un modo masivo porfiroblastos y porfirocitos fluorescentes. Se comunican los primeros hallazgos electrónicoópticos. En el primer caso la...

This publication has 0 references indexed in Scilit: