Auffällige Zunahme des Lymphogranuloma venereum unter homosexuellen Männern in Hamburg

Abstract
Zusammenfassung: Nachdem in den letzten Jahren ein auffälliger Anstieg der klassischen Geschlechtskrankheiten, wie Lues und Gonorrhoe, im homosexuellen Patientenkollektiv zu beobachten war, zeigte sich im Jahr 2003 am ifi‐Institut in Hamburg erstmals eine Zunahme des seltenen Lymphogranuloma venereum. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum vier homosexuelle Patienten mit unterschiedlichen Erscheinungsformen des Lymphogranuloma venereum identifiziert. Ein Auslandsaufenthalt lag bei keinem Patienten vor. Bei drei Patienten bestand gleichzeitig eine HIV‐Infektion. In allen Fällen konnte eine Chlamydia‐trachomatis‐Infektion mittels SDA (strand displacement amplification) in genitalen Abstrichproben oder Lymphknotenpunktat nachgewiesen werden. In 3 der 4 Fälle erfolgte eine Typisierung durch Sequenzanalyse von ompA‐PCR‐Produkten, wobei jeweils der C.‐trachomatis‐Serovar‐L2 identifiziert wurde. Weitere differentialdiagnostisch relevante genitale Infektionen wurden mit Hilfe erregerspezifischer PCR‐Analysen, bakteriologischen und serologischen Untersuchungsmethoden ausgeschlossen.In der Differentialdiagnose genitoanaler und oraler Erosionen, insbesondere bei homosexuellen und HIV‐infizierten Patienten, sollte daher auch an das Lymphogranuloma venereum gedacht werden. Der Nachweis genitaler Chlamydien‐Infektionen kann dabei unter Verwendung der neuen Nukleinsäure‐Amplifikationsverfahren schnell und zuverlässig durchgeführt werden.